Vorbilder – ich habe keine

Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Artikel teilen!Share on FacebookShare on Google+Email this to someonePrint this page

Growing pumpkin plant

Jörg Unkrig hat mich zu seiner Blogparade „Vorbild 2016“ eingeladen.

Zunächst war ich erstaunt. Warum ich? Wie kommt er überhaupt auf mich?

Und dann auch noch dieses unsägliche Thema „Vorbilder“.

Aber: ich habe mich auch sehr gefreut, dass ICH angesprochen wurde. Mein erster wahrnehmbarer Erfolg, im Netz gesehen zu werden. Das hat mich sehr stolz gemacht. Dafür danke ich ihm!

Jörg Unkrig hat mir gesagt, dass er über die Blogparade von Marit Alke auf mich aufmerksam wurde. Dort habe ich einen Artikel geschrieben, was ich mir für 2016 vorgenommen habe. Darin ist übrigens Sichtbarkeit im Netz mein zentrales Thema.

Vorbilder.

Meine erste Reaktion war: die habe ich nicht.

Meine zweite: naja, das Thema interessiert und begleitet viele Menschen und mich auch. Was ist das eigentlich? Und warum tue ich mich damit so schwer?
Daraufhin habe ich mit Freundinnen gesprochen und sie gefragt, was sie darunter verstehen.

Es gab Antworten. Jede hatte – auch wenn sie kurz gezögert hat – eine Meinung parat.

Aber einheitlich waren sie nicht.

Deshalb bin ich dann auf die Suche gegangen.

Was ist eigentlich ein Vorbild? Gibt es vielleicht doch Menschen, die für mich ein Vorbild waren?

Sofort habe ich die „üblichen Verdächtigen“ gefunden. Wikipedia und Duden. Der Duden sagt: „Vorbild ist eine Person oder Sache, die als [idealisiertes] Muster, als Beispiel angesehen wird, nach dem man sich richtet.“

Okay. Das ist auch meine Wahrnehmung. Es hat mir aber auch gezeigt, dass mir genau das widerstrebt. Idealisierung hat mir noch nie gelegen. Denn viel zu schnell merke ich Menschen an, dass sie einer Idealisierung nicht standhalten. Man hat mir mal gesagt, dass ich wie das Mädchen im Märchen „Des Kaiser´s neue Kleider“ sei. Ich würde schnell hinter die Fassade sehen und gar nicht verstehen, dass andere den Schein aufrecht erhalten wollen. Das finde ich schrecklich. Ich bin immer offen mit Themen und unangenehmen Ereignissen umgegangen. Denn nur so kann nicht nur ich, sondern können auch alle anderen, verstehen, was mich gerade bewegt, vielleicht auch beeinträchtigt und wie wir am besten damit umgehen können.

In unserer schnelllebigen Zeit, in der sich Muster und Rahmenbedingungen ständig wandeln und man sich immer wieder neu ausrichten muss, ist es unmöglich, genau das eine richtige und immer gültige Vorbild zu haben.

Was mich jedoch überzeugt hat, ist, dass es in verschiedenen Situationen verschiedene Menschen sind, die uns in ihrem Verhalten ein Vorbild sein können.

Viele davon nehmen wir nicht bewusst wahr. Sie haben unterschwellig Meinungen bei uns ausgelöst, denen wir nachkommen.

Das ist auch bei mir so. Mein Vater zum Beispiel. Bei ihm habe ich immer bewundert, dass er allein dadurch, dass er in einen Raum gekommen ist, die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Ohne etwas zu sagen. Nur dadurch, dass er anwesend war. Und was soll ich sagen. Ich löse ebenfalls diese Reaktion aus. Wie auch immer er es gemacht hat oder ich es heute mache. Ich weiss es nicht. Aber es passiert.

Mein Vater ist aber doch der Einzige, den ich bewusst als Vorbild wahrgenommen habe. Bei anderen habe ich mich wohl gefühlt. Aber nicht den Wunsch verspürt: so will ich sein.

Das führt mich wieder zurück zu meinen Freundinnen, mit denen ich mich über dieses Thema ausgetauscht habe. Es sind Frauen. Das betone ich an dieser Stelle, weil mir bewusst geworden ist, dass schon allein historisch bedingt Frauen keine Vorbilder hatten oder nur sehr wenige oder eben nur Männer als offizielle Vorbilder galten. Die Rollen waren über Jahrhunderte verteilt. Jeder wusste, wie er sich zu verhalten hatte.

Das hat sich in unserer Gesellschaft rapide verändert. Die Geschlechterrollen haben sich verändert, sind flexibler und offener. Das führt aber auch dazu, dass wir situativ und sequentiell Menschen als Vorbilder in ihrem Tun brauchen. Oder Vorbilder suchen und nicht finden. Und in diesem Dilemma Menschen zu Vorbildern machen, die uns nicht gut tun.

Das ist eine Erkenntnis für mich:
Sei kritisch, wenn Du Menschen in ihrem Verhalten gut findest. Stell Dir die Frage: Ist derjenige so, weil es in dieser Situation sozial erwünscht ist? Oder ist er so, weil er es hier aus tiefstem Herzen so leben will?

Interessant, was jetzt gerade passiert ist. Meine Sätze haben männliche Worte genommen, wie „derjenige“ und „er“. Die deutsche Sprache ist männlich-lastig. Sie erlaubt nur sehr schwerfällig, weibliche Formen zu nutzen. Das bedeutet für mich schon seit langem, aufmerksam mit ihrer Verwendung umzugehen.

Ich weiß, dass viele das abtun und sagen: Stell Dich nicht so an. So ist das nun mal. Da kann man nicht viel machen.

Ja, da liegt natürlich viel Wahrheit darin. Aber trotzdem. Ich habe vor einiger Zeit einen Text gelesen, der ausschließlich die weibliche Form verwendet hat. Das war ein Trainingsdossier, das sich nur an Frauen gewendet hat, weil es in dieser Qualifizierung fast nur Frauen gibt. Das waren Worte wie „Teilnehmerin“, „Leserin“ und ganz simpel „sie“. Erst nach einiger Zeit ist mir das aufgefallen. Ich war erstaunt, wie angenehm ich das gefunden habe und wieviel näher mich das an das Thema gebracht hat. Wieviel Wertschätzung ich gespürt habe.
Das ist übrigens eine ganz handfeste Qualifizierung gewesen. Ich habe mich zur Bücherei-Assistentin weiergebildet, um in meiner Bücherei ehrenamtlich noch besser unterstützen zu können.

Eine weitere Erkenntnis ist:
Vorbilder in diesem ursprünglichen Sinne gibt es nicht. Jeder strikt sich das Verhalten zusammen, das er kennen- und schätzen gelernt hat.
Das heißt, das Vorbild, das man hat, ist ein Puzzle unterschiedlicher Verhaltensmuster, die man in seinem Leben mitbekommen und in sein ganz persönliches Bild eingearbeitet hat. Wenn dann die Situation kommt, in der man ein bestimmtes Verhalten benötigt, ruft man es ab.

Wenn man diesen Status erreicht hat, hat man es aus meiner Sicht geschafft, das Thema „Vorbilder“ nach seiner ganz eigenen Art zu leben und sinnvoll anzuwenden.

 

Foto: fotolia von paladin1212

Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Artikel teilen!Share on FacebookShare on Google+Email this to someonePrint this page

2 Antworten auf „Vorbilder – ich habe keine“

  1. Pingback: Vorbilder | Mixup

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.